Prinzipiell wird das Gesetz von Henry für jedes Inertgasi separat gelten:
|
qi = li * pi * Vk
Q = ∑ qi |
(50) |
Summiert wird hierbei über alle Inertgasei als auch über alle Kompartimentek
| Variable | Definition |
|---|---|
| qi | Menge des gelösten Inertgases i in einem Kompartiment mit Volumen Vk |
| li | Löslichkeitskoeffizient des Inertgasesi bezüglich des Volumens Vk |
| pi | Partialdruck des Inertgasesi |
| Vk | Volumen einer Kompartimentes k |
Für die Summe aller Partialdrücke wird das Gesetz von Dalton gelten:
| P = ∑ pi = p1 + p2 + p3 + ... | (51) |
Demgemäß wird für stationäre Zustände in den Kompartimenten folgendes gelten:
| Pt(0) = ∑pt, i(0) = pt, N2(0) + pt, He(0) | (52a) |
sowie für die Alveolen:
| Palv(0) = ∑palv, i(0) = palv, N2(0) + palv, He(0) | (52b) |
sowie für alle Zeiten t:
| Ptiss(t) = Pt(t) = ∑ ptiss, i(t) = ptiss, N2(t) + ptiss, He(t) | (52c) |
Deshalb erweitern wir die Haldane-Gleichung (6a):
| Pt(t) = Palv0,N2 + [Pt0,N2 - Palv0,N2] e-kN2t + Palv0,He + [Pt0,He - Palv0,He] e-kHet | (53) |
Wir prüfen nun, ob auch diese Erweiterung die grundlegende Differentialgleichung (1a) erfüllt. Die DGL (1a) wird um den Zusatzterm für ein zweites Inertgas erweitert:
| dPt(t)/dt = k1 * [Palv,N2(t) - Pt,N2(t)] + k2 * [Palv,He(t) - Pt,He(t)] | (54) |
Wir bestimmen die Proportionalitätsfaktoren k1 und k2, indem wir aus (53) d Pt(t) / dt berechnen:
| dPt(t)/dt = - kN2 * [Pt0,N2 - Palv0,N2] e-kN2t - kHe * [Pt0,He - Palv0,He] e-kHet | (53a) |
... und jetzt damit die linke Seite von (54) ersetzen:
|
- kN2 *
[Pt0,N2 - Palv0,N2]
e-kN2t
- kHe *
[Pt0,He - Palv0,He]
e-kHet =
k1 * [Palv,N2(t) - Pt,N2(t)] + k2 * [Palv,He(t) - Pt,He(t)] = k1 * Palv,N2(t) - k1 * Pt,N2(t) + k2 * Palv,He(t) - k2 * Pt,He(t) |
(55) |
Für die pt, i(t) bemühen wir nochmals den Ansatz (52c) bzw. (53), setzen diesen in (55), rechte Seite, ordnen um und erhalten:
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- kN2 *
[Pt0,N2 - Palv0,N2]
e-kN2t
- kHe *
[Pt0,He - Palv0,He]
e-kHet =
k1 * Palv,N2(t) + k2 * Palv,He(t) - k1 * [Palv0,N2 + [Pt0,N2 - Palv0,N2] e-kN2t - k2 * [Palv0,He + [Pt0,He - Palv0,He] e-kHet
|
(55a) |
Ausmultiplizieren der eckigen Klammern [ ... ] der rechten Seite und Umordnung nach konstanten bzw. zeitabhängigen Termen ergibt:
|
- kN2 *
[Pt0,N2 - Palv0,N2]
e-kN2t
- kHe *
[Pt0,He - Palv0,He]
e-kHet =
k1 * Palv,N2(t) + k2 * Palv,He(t) - k1 * Palv0,N2 - k1 * (Pt0,N2 - Palv0,N2)e-kN2t - k2 * Palv0,He - k2 * (Pt0,He - Palv0,He)e-kHet = k1 * [Palv,N2(t) - Palv0,N2] + k2 * [Palv,He(t) - Palv0,He] - k1 * (Pt0,N2 - Palv0,N2)e-kN2t - k2 * (Pt0,He - Palv0,He)e-kHet |
(55b) |
Bemühen wir nun die identischen Randbedingungen für beide Inertgase die zur Lösung (6a) geführt haben:
|
Palv,N2(t) = Palv0,N2 für alle Zeiten t und analog
Palv,He(t) = Palv0,He wird die Gleichung (55a) identisch erfüllt für: k1 = kN2 sowie: k2 = kHe |
(55c) |
Der Ansatz (53) erfüllt also die zentrale DGL (1a), wenn das zweite Inertgas als additiver Zusatz
berechnet wird:
sowohl für den stationären Teil, also den zeitlich konstanten Anteil
am alveolären Gas (52b) als auch den zeitabhängigen (52c).
NB: die Zahlen sind nur eine grobe Näherung: die Identifikation der Variabeln dient zur Übersicht über die Gleichung (21):
| t = - τ / ln2 * ln[ (Pt(t) - Palv0) / (Pt0 - Palv0) ] |
Die wirkliche Deko-Zeit td ist dabei der Maximalwert aus allen berechneten Deko-Zeiten die über die komplette Schar aller Kompartimente ermittelt wird.
Für die Terme im Einzelnen gilt:
| Pt.tol.ig = Pamb / b + a |
Die a- & b-Werte sind aus der Tabelle bekannt und somit kann für jedes Kompartiment der jeweilige Pt(t) bestimmt werden.
| a* = a (He + N2) = [( Pt, He * aHe ) + ( Pt, N2 * aN2)] / ( Pt, He + Pt, N2 ) | ||
| b* = b (He + N2) = [( Pt, He * bHe ) + ( Pt, N2 * bN2)] / ( Pt, He + Pt, N2 ) | ||
| λ* = λ (He + N2) = [( Pt, He * λHe ) + ( Pt, N2 * λN2)] / ( Pt, He + Pt, N2 ) | (56) |
Weiterhin gelten für unsere zwei Inertgase He und N2 (52a, 52b, 52c) und somit:
| Pt.tol.ig = Pamb / b* + a* |
Wird nun zur Berechnung der Dekozeiten td die Formel (21) mit allen obengenannten
Erweiterungen für Mischgase benutzt,
entsteht damit eine Gleichung mit zwei weiteren Unbekannten,
nämlich ptiss, N2(t) und ptiss, He(t) zum Zeitpunkt t = td
da ja: Pt(t) = ptiss, N2(t) + ptiss, He(t),
und dies jeweils für alle Kompartimentek!
a*, b* sowie λ* werden ja zum Zeitpunkt t = t0
ermittelt, gelten also nur für den Startzeitpunkt der Deko!
Da ja td noch unbekannt ist, sind es auch die jeweiligen Kompartimentssättigungen
ptiss(td) und somit auch a*, b*, λ* zum
Zeitpunkt t = td.
Pt(t + Δt) = ptiss, N2(t + Δt) + ptiss, He(t + Δt) aus dem vorigen Pt(t) berechnet wird und mit dem
tolerierten Umgebungsdruck Pambient, tolerated der Ziel-Tiefe / Zieldeko-Stufe
der gesuchte Ptissue, tolerated berechnet
und verglichen wird: ist nach n Zeitschritten
Pt(t = td) = Pt(t0 + n * Δt) < = Ptiss, tol, dann haben wir mit t = td die benötigte Deko-Zeit gefunden.
Weitere Möglichkeiten:
|
Pt(t) = Palv0,N2 + Palv0,He +
[Pt0,N2 - Palv0,N2]
e-kN2t
+
[Pt0,He - Palv0,He]
e-kHet
= Pamb / b* + a* |
Wir benutzen die Taylor-Entwicklung für den Exponentialterm in den Pt(t)
mit x = - ki * t, und für ex :
| ex ≅ 1 + x + (x2 / 2) + (x3 / 6) + ... + ... |
Die Taylor-Entwicklung wird nach dem 3. oder auch schon nach dem 2. Term abgebrochen: dies ist genügend genau für kleine x, d.h. kurze Deko-Stopps!
Da die Pt(t) über die b* und a* und somit auch t nun sowohl im Zähler als auch im Nenner auftauchen, erhalten wir ein kubisches oder ein bi-quadratisches Polynom für t in voller Schönheit: auch dieses könnten wir nun numerisch lösen. Doch damit hätten wir gegenüber der Methode 1 nichts gewonnen!
(*) einige bedeutet in diesem Zusammenhang ca. 1.900 Tauchprofile aus dem TEC-recreational Bereich.
Um es genau zu sagen: 6 Tiefenprofile von 30 - 80 m, 5 Grundzeiten von 20 - 60 min., und Helium-
Anteile von 5 - 80 % (16 Gemische), alles in allem 480 Profile, und das Ganze dann 4 mal ...
Der Fehler nimmt mit der Dekompressionsverpflichtung zu, also mit Tiefe und Zeit und verhält sich in Abhängigkeit des Helium-Anteiles in etwa (rein qualitativ) so:
Wir sehen die Deko-Zeiten tD in Abhängigkeit des Helium-Anteils fHe:
die Abweichungen sind die Differenzen Formel (17) (= Methode 2) aus dem Mittelwert aus allen 3 Softwaren gegenüber
der numerischen Berechnung (Methode 1).
D.h. wie oben angedeutet, werden die Deko-Zeiten zunächst überschätzt,
im Bereich der bei TEC-REC üblichen Trimixe, speziell so um die 35 - 45 % verschwindet dieser Fehler,
um bei steigendem Helium-Anteil dann wieder schnell und kräftig zuzunehmen.